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gemalte Lyrik
 

Aus dem Umkreis: Nächte                                                                       Acryl, Pigmente auf MDF                60 x 80, 2008

Nacht. Oh du in Tiefe gelöstes
Gesicht an meinem Gesicht.
Du, meines staunenden Anschauns größtes
Übergewicht.

Nacht, in meinem Blicke erschauernd,
aber in sich so fest;
unerschöpfliche Schöpfung, dauernd
über dem Erdenrest;

voll von jungen Gestirnen, die Feuer
aus der Flucht ihres Saums
schleudern ins lautlose Abenteuer
des Zwischenraums:

wie, durch dein bloßes Dasein, erschein ich,
Übertrefferin, klein-;
Doch mit der dunklen Erde einig,
wag ich es, in dir zu sein.

                           Rainer Maria Rilke

 

 

Wenns Frühling wird                                                          Acryl, Pigmente auf MDF                  80 x 60, 2009

Die ersten Keime sind, die zarten,
im goldnen Schimmer aufgesprossen;
schon sind die ersten der Karossen
                                    im Baumgarten.

Die Wandervögel wieder scharten
zusamm sich an der alten Stelle,
und bald stimmt ein auch die Kapelle
                                      im Baumgarten.

Der Lenzwind plauscht in neuen Arten
die alten, wundersamen Märchen,
und draußen träumt das erste Pärchen
                                    im Baumgarten.

                            Rainer Maria Rilke

 

 

Die Liebenden                                                       Acryl, Pigmente und Pastell auf Leinwand                                                  100 x 100, 2009

Sieh, wie sie zueinander erwachsen:
In ihren Adern wird alles Geist.
Ihre Gestalten beben wie Achsen,
um die es heiß und hinreißend Kreist.
Dürstende, und sie bekommen zu trinken,
Wache und sieh: sie bekommen zu sehn,
Laß sie ineinander sinken,
um einander zu überstehn.

                        Rainer Maria Rilke

 

Das einsame Haus                                Acryl, Pigmenrte auf Leinwand             80x 60, 2008

Wer einst das einsame Haus erbaut,
ich konnte es nirgends erlauschen.
Auch die Wipfel wagen nicht, laut
um sein Ragen zu rauschen.

Im Parke: Tot ist jeder Ton -
und alle Farbe sind entflohn,
nur rotrote Blüten baten..
als müsste alten Mord der Mohn
immer wieder von Sohn zu Sohn
verraten.

Rainer Maria Rilke

Da schwang die Schaukel durch den Schmerz                                        Acryl, Pigmente, Sand und Pastell auf Leinwand                        80 x 60,   2009


Da schwang die Schaukel durch den Schmerz-,
doch siehe,
der Schatten wars des Baums, an dem sie hängt.

Ob ich nun vorwärtsschwinge oder fliehe,
vom Schwunge in den Gegenschwung gedrängt,
das alles ist noch nicht einmal der Baum.
Mag ich nun steiler schwingen oder schräger,
ich fühle nur die Schaukel; meinen Träger
gewahr ich kaum.

So laß uns herrlich einen Baum vermuten,
der sich aus Riesenwurzeln aufwärtsstammt,
durch den unendlich Wind und Vögel fluten
und unter dem, in reinen Hirtenamt,
die Hirten sannen und die Herden ruhten.
Und daß durch ihn die starken Sterne blitzen,
macht ihn zur Maske einer ganzen Nacht.
Wer reicht aus ihm bis zu den Göttersitzen,
da uns sein Wesen schon nachdenklich macht?
Rainer Maria Rilke

Der Panther                                                       Acryl, Pigmente auf MDF                      60x 80,       2009

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
Rainer Maria Rilke

 

 

DAS MÄRCHEN VON DER WOLKE                                                          Acryl, Pigmente auf Leinwand                   80 x 50,  2009


Der Tag ging aus mit mildem Tone,
so wie ein Hammerschlag verklang.
Wie eine gelbe Goldmelone
lag groß der Mond im Kraut am Hang.

Ein Wölkchen wollte davon naschen,
und es gelang ihm, ein paar Zoll
des hellen Rundes zu erhaschen,
rasch kaut es sich die Bäckchen voll.

Es hielt sich lange auf der Flucht auf
und sog sich ganz mit Lichte an; -
da hob die Nacht die goldne Frucht auf:
Schwarz ward die Wolke und zerrann.
Rainer Maria Rilke

 

Herbst- Abend                                                                    Acryl, Pigmente, Sand und Pastell auf Leinwand                                120 100,        2006

Wind aus dem Mond,
plötzlich ergriffene Bäume
und ein tastend fallendes Blatt.
Durch die Zwischenräume
der schwachen Laternen
drängt die schwarze Landschaft der
Fernen   
Rainer Maria Rilke

 

Herbst                                                        Acryl, Pigmente, Sand und Pastell auf Leinwand                                       140 x 100,   2009

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand (Bank) da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke

Drei Könige und ein Stern                               Mischtechnik                                                               80 x 60, 2008

Fern erkannten und begrüßten sich
drei Könige und ein Stern.

Drei Könige von Unterwegs
und der Stern Überall,
die zogen alle (überlegs!)
so rechts ein Rex und links ein Rex
zu einem stillen Stall.
Was brachten die nicht alles mit
zum Stall von Bethlehem!
Rainer Maria Rilke

Ernste Stunde          Acryl, Pigmente, Sand und Pastell auf Leinwand     100 x 80  2008

Wer jetzt weint irgendwo in der Welt,
ohne Grund weint in der Welt,
weint über mich.

Wer jetzt lacht irgendwo in der Nacht,
ohne Grund lacht in der Nacht,
lacht mich aus.

Wer jetzt geht irgendwo in der Welt,
ohne Grund geht in der Welt,
geht zu mir.

Wer jetzt stirbt in der Welt,
ohne Grund stirbt in der Welt,
sieht mich an.

Die Stille                 Acryl, Pigmente, Pastell auf MDF                     60 x 80            2008  

Die Stille

Hörst du, Geliebte, ich hebe die Hände-
Hörst du: es rauscht...
Welche Gebärde der Einsamen fände
Sich nicht von vielen Dingen belauscht?
Hörst du, Geliebte, ich schließe die Lider,
und auch das ist Geräusch bis zu dir.
Hörst du, Geliebte, ich hebe sie wieder...
...aber warum bist du nicht hier.

Der Abdruck meiner kleinsten Bewegung
Bleibt in der seidenen Stille sichtbar;
Unverzichtbar drückt die geringste Erregung
in den gespannten Vorhang der Ferne sich ein.
Auf meinen Atemzügen heben und senken
die Sterne sich.
Zu meinen Lippen kommen die Düfte zur Tränke,
und ich erkenne die Handgelenke
entfernter Engel.
Nur die ich denke: Dich
Seh ich nicht.
                Rainer Maria Rilke

Wie das Gestirn                Acryl, Pigmente auf MDF                     80 x 60               2008

Wie das Gestirn

Wie das Gestirn, der Mond, erhaben, voll Anlaß,
plötzlich die Höhn übertritt,  die entworfene Nacht
gelassen vollendend: siehe,so steigt mir
rein die Stimme hervor aus Gebirgen des Nichtmehr.
Und die Stellen, erstaunt, an denen du dawarst und
Fortkamst, schmwerzen klarer die nach.
               
                Rainer Maria Rilke


 

Der Tod der geliebten               Acryl, Pigmente, Pastell auf Leinwand    100 x 70   2008

Er wußte nur vom Tod, was alle wissen:
daß er uns nimmt und in das Stumme stößt.
Als aber sie, nicht von ihm fortgerissen,
nein, leis aus seinen Augen ausgelöst,

hinüberglitt zu unbekannten Schatten,
und als er fühlte, daß sie drüben nun
wie einen Mond ihr Mädchenlächeln hatten
und ihre Weise, wohlzutun:

da wurden ihm die Toten so bekannt,
als wäre er durch sie mit einem jeden
ganz nah verwandt; er ließ die andern reden

und glaubte nicht und nannte jenes Land
das gutgelegene, das immersüße-
und tastete es ab für ihre Füße.

 

Aufgang oder Untergang?      ACryl, Pigmente auf Leinwand

80 x 60           2008

Nenn ich dich Aufgang oder Untergang?
Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bang
und greife scheu nach seiner Rosen Röte-
und ahne eine Angst in seiner Flöte
vor Tagen, welche liedlos sind und lang.

Aber die Abende sind mild und mein,
von meinem Schauen sind sie still beschienen;
in meinen Armen schlafen Wälder ein, -
und ich bin selbst das Klingen über ihnen,
und mit dem Dunkel in den Violinen
verwandt durch all mein Dunkelsein.

                                  Rainer Maria Rilke

 

 

Liebes-Lied       Acryl, Pigmente, Ölpastell auf Leinwand
120 x 80        2008

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht mehr an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu anderen Dingen?
Ach gerne möchte ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
                                                 Rainer Maria Rilke

Die Dinge singen...     ACryl, Pigmente auf Leinwand   80 x 60   2008

Die Dinge singen hör ich so gern

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott.
Sie wissen alles, was wird und was war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: Sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

                              Rainer Maria Rilke

Die Welt, die monden ist         Acryl, Pigmente auf Leinwand   100 x 80              2008

 

Die Welt, die monden ist

Vergiß, vergiß, und laß uns jetzt nur dies
erleben,wie die Sterne durch geklärten
Nachthimmel dringen, wie der Mond die Gärten
voll übersteigt. Wir fühlten längst schon, wies
spiegelnder wird im Dunkeln; wie ein Schein
entsteht, ein weißer Schatten in dem Glanz
der Dunkelheit. Nun aber laß uns ganz
hinübertreten in die Welt hinein
die monden ist-

                                Rainer Maria Rilke

 

Du mußt das Leben...     Acryl, Pigmente auf Leinwand

60 x 80       2008

Du mußt das Leben nicht verstehen,
denn es wird werden wie ein Fest.
Und laß dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken läßt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

                               Rainer Maria Rilke

 

Mein Leben it wie...      Acryl, Pigmente, Sand, Kreide auf Leinwand      100 x 80        2008

 

Und dann ist alles wieder still...
Und weißt du, was mein Leben will,
hast du es schon verstanden?
Wie eine Welle im Morgenmeer
will es, rauschend und muschelschwer,
an deiner Seele landen.

                                           Rainer Maria Rilke

                                         
Siehe                  Acryl, Pigmente, Pastell auf Leinwand      60 x 80     2008

Siehe, ich wußte es sin
solche, die nie den gemeinsamen Gang
lernten zwischen den Menschen;
sondern der Aufgang in plötzlich
entamtmete Himmel
war ihr Erstes. Der Flug
durch der Liebe Jahrtausende
ihr Nächstes, Unendliches.

Ehe sie noch lächelten
weinten sie schon vor Freude;
eh sie noch weinten
war die Freude schon ewig.
Frage mich nicht
wie lange sie fühlten; wie lange
sah man sie noch? Denn unsichtbare sind
unsägliche Himmel
über der inneren Landschaft.

Eines ist Schicksal. Da werden die Menschen
sichtbarer. Stehn wie Türme. Verfalln.
Aber die Liebenden gehn
über der einen Zerstörung
ewig hervor; denn aus dem Ewigen
ist kein Ausweg. Wer widerruft
Jubel?

                                               Rainer Maria Rilke

 

 Herbsttag

 
Herbsttag          Acryl, Pigmente, Sand, Foto, Herbstblätter und Kohle auf Leinwand          160 x 120 cm                                2006          unverkäuflich

Herbsttag.  

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten reif zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist,wird es lange bleiben
wirdwachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern,
wenn die Blätter treiben.
                                               Reiner Maria Rilke


 

In meinem Garten         80 x 60                  Acryl, Sand, Pigmente auf Leinwand     2006

Hier drinnen ist es still.
Sonne auf der Haut fühlen.
Wind im Gesicht.
Warme,
erdige Luft riechen.
Den Vögeln zuhören.
Dem Leben in die Augen
blicken. Hinter allem Gott wissen.           Bianka Bleier